Die deutsche Schreibschrift

 

Der Begriff „Deutsche Schreibschrift“ bezieht sich auf eine Gruppe von handschriftlichen Formen, die sich im deutschen Sprachraum entwickelt haben und die sich von der lateinischen Schreibschrift unterscheiden.

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1440 spielte für die Entstehung der deutschen Schreibschrift eine entscheidende Rolle. Texte wurden plötzlich für eine breite Öffentlichkeit zugänglich, doch Lesen und Schreiben war bis dahin nur wenigen Menschen vorbehalten, besonders jenen aus der gebildeten Oberschicht. Der Handel florierte und neben der gedruckten Schrift, der Fraktur, wurde es unerlässlich, eine Handschrift zu erlernen, die schnell niedergeschrieben und vor allem auch für andere gut lesbar ist. Vor diesem Hintergrund entstand, als sogenannte Verkehrsschrift, die Kurrentschrift. Sie gilt als Ursprung unserer heutigen deutschen Schreibschrift.

Die deutsche Schreibschrift hat sich über die Jahrhunderte hinweg weiterentwickelt. Der Einfluss der englischen Schreibschrift zu Beginn des 19. Jahrhunderts wirkte sich jedoch nicht begünstigend auf eine allgemein gebräuchliche Alltagsschrift aus. Die unter den Kalligraphen heute sehr beliebte englische Schreibschrift war aufgrund der langen Haar- und Schattenlinien sowie der unnatürlichen Handhaltung für Schreibanfänger eine Mühsal.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Ludwig Sütterlin eine Schrift, die in Deutschland von 1914 bis 1941 in Schulen gelehrt wurde. Die Sütterlinschrift ist eine vereinfachte und leicht lesbare Form der älteren deutschen Kurrentschrift, ohne Anspruch auf Schönheit. Sie bildete die Basis der genormten Schulausgangsschrift.

Rudolf Koch entwickelte daraufhin die kunstvoll gestaltete und gleichzeitig gut schreibbare Offenbacher Schrift, die nach dem zweiten Weltkrieg in Bayern noch an einigen Schulen als Zweitschrift gelehrt wurde. Obwohl die Offenbacher Schrift nicht die gleiche Verbreitung und Popularität wie die Sütterlinschrift erlangte, hat sie dennoch einen festen Platz in der Geschichte der deutschen Schreibschriften. Sie stellt einen wertvollen Beitrag zur Vielfalt und Ästhetik der Handschriftstile dar.